Nachtabsenkung der Heizung – Was Mieter wissen sollten

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Das Wichtigste zur Nachtabsenkung der Heizung

Ist eine Nachtabsenkung der Heizung im Winter laut Mietrecht zulässig?

Eine Nachtabsenkung der Heizung ist grundsätzlich erlaubt. Wie kalt es werden darf, erfahren Sie an dieser Stelle.

Wann darf die Heizung in die Nachtabsenkung gehen?

Häufig stellt der Vermieter bei der Heizung eine Nachtabsenkung ein. Ab wie viel Uhr diese startet, steht meist im Mietvertrag. In der Regel beginnt die Nachtabsenkung um 23 Uhr.

Ist eine Nachtabsenkung der Heizung sinnvoll?

Ja, meistens schon. Es gibt jedoch einige Nachteile, die beachtet werden müssen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Warum geht die Heizung nachts aus?

Was bedeutet die Nachtabsenkung bei einer Heizung?
Was bedeutet die Nachtabsenkung bei einer Heizung?

Bei der Nachtabsenkung der Heizung handelt es sich um die zeitgesteuerte Reduzierung der Raumtemperatur, meist um 3 bis 5 Grad Celsius. Sie geschieht während der Stunden, in denen die Bewohner schlafen und keine höhere Temperatur benötigt wird.

Es ist eine gängige Praxis, die darauf abzielt, Energie zu sparen. Viele Vermieter nutzen sie deswegen und schreiben entsprechende Klauseln in die Mietverträge. Als Mieter können Sie in solchen Fällen bei der Heizung die Nachtabsenkung nicht immer ausschalten.

Allerdings ist nicht jede Nachtabsenkung automatisch zulässig.

Welche Vorschriften gibt es zur Nachtabsenkung der Heizung im Mietrecht?

Es existiert für die Nachtabsenkung der Heizung keine konkrete gesetzliche Regelung. Allerdings verpflichtet das deutsche Mietrecht den Vermieter, die Wohnung für den Gebrauch im geeigneten Zustand zu erhalten (§ 535 Abs. 1 Satz 2 BGB). Dies beinhaltet auch die Gewährleistung einer angemessenen Beheizbarkeit der Wohnung, insbesondere während der Heizperiode.

Ist aufgrund einer Nachtabsenkung die Heizung zu kalt, verstößt der Vermieter unter Umständen gegen geltendes Recht.

Wann ist eine Nachtabsenkung der Heizung zulässig?

Existiert bei der Heizung eine Nachtabsenkung, besteht die Pflicht des Vermieters zur Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften.
Existiert bei der Heizung eine Nachtabsenkung, besteht die Pflicht des Vermieters zur Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften.

Der Vermieter darf bei der Heizung eine Nachtabsenkung einstellen, solange er die gesetzlichen Vorschriften und die Vorgaben aus der aktuellen Rechtsprechung beachtet.

Um sich abzusichern, sollte der Mietvertrag eine Klausel zur Nachtabsenkung enthalten. Die Heizung geht dann nachts nicht ganz aus. Laut Mietrecht ist eine vollständige Abschaltung verboten. Sie ist aber auch nicht im Interesse des Vermieter. Die Einhaltung der Vorgaben dient nicht nur dem Komfort des Mieters, sondern auch dem Schutz der Bausubstanz vor Feuchtigkeit und Schimmelbildung.

Die Heizung in der Nachtabsenkung: Wie viel Grad sind erlaubt?

Grundsätzlich gilt: Während der Heizperiode (oft vom 1. Oktober bis 30. April, kann aber je nach Mietvertrag oder Region variieren) muss eine Mindesttemperatur in der Wohnung gewährleistet sein. Das Landgericht Berlin hat hierzu 1998 konkrete Vorgaben entwickelt:

  • Tagsüber (06 bis 23 Uhr): mindestens 20 Grad Celsius
  • Nachts (23 bis 06 Uhr): mindestens 18 Grad Celsius

Wird wegen einer Nachtabsenkung der Heizung die Temperatur unterschritten, kann es einen Mangel darstellen, den der Mieter rechtlich geltend machen kann.

Nachtabsenkung der Heizung unterschreitet Mindesttemperaturen – Was Mieter tun können

Stellen Sie fest, dass die Heizung während der Nachtabsenkung in ihrer Mietwohnung nicht die gesetzlich oder vertraglich vereinbarten Mindesttemperaturen erreicht, liegt ein Mangel an der Mietsache vor. In diesem Fall stehen Ihnen verschiedene Rechte zu:

  1. Mängelanzeige und Fristsetzung
    • Zeigen Sie den Mangel dem Vermieter schriftlich an. Dies können Sie per Einschreiben oder per E-Mail mit Lesebestätigung tun.
    • In der Mängelanzeige sollten Sie möglichst genau beschreiben, wann und in welchen Räumen die Temperatur unter die zulässigen Werte sinkt. Idealerweise protokollieren Sie die Auswirkungen der Nachtabsenkung Ihrer Heizung.
    • Setzen Sie dem Vermieter eine angemessene Frist zur Behebung des Mangels (z. B. 1-2 Wochen).
  2. Mietminderung
    • Bleibt der Mangel auch nach dem Ablauf der Frist bestehen, können Sie zur Mietminderung greifen. Die Höhe der Mietminderung hängt vom Grad der Beeinträchtigung ab.
    • Eine genaue Höhe sollte im Zweifel mit einem Mieterverein oder Anwalt abgestimmt werden.
  3. Schadensersatzansprüche
    • Entstehen Ihnen aufgrund der Nachtabsenkung der Heizung Schäden (z. B. Erkältungskrankheiten, Beschädigung von Möbeln durch Feuchtigkeit/Schimmel), können Sie unter Umständen Schadensersatzansprüche geltend machen.

Ist zum Energiesparen bei einer Heizung die Nachtabsenkung sinnvoll?

Die Frage, ob eine Nachtabsenkung der Heizung tatsächlich zu Energieeinsparungen führt, ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Die Meinungen gehen hier teilweise auseinander, aber im Großen und Ganzen ist eine moderate Nachtabsenkung der Heizung in der Regel sinnvoll, um Energie und Heizkosten zu sparen.

Ist bei der Heizung eine Nachtabsenkung sinnvoll - ja oder nein?
Ist bei der Heizung eine Nachtabsenkung sinnvoll – ja oder nein?

Argumente für die Sinnhaftigkeit:

  • Geringerer Wärmeverlust: Wenn die Temperaturdifferenz zwischen innen und außen geringer ist, geht auch weniger Wärme durch Wände, Fenster und Dach verloren.
  • Energiesparen: Jedes Grad weniger kann laut der Verbraucherzentrale e.V. 5 bis 6 Prozent Heizenergie sparen.
  • Anpassung an den Bedarf: Während des Schlafens wird eine geringere Raumtemperatur häufig als angenehm empfunden. Eine Absenkung von z.B. 21°C auf 18°C ist für viele Menschen ausreichend.

Grenzen und potenzielle Nachteile:

  • Aufheizeffekt: Das erneute Aufheizen der Räume am Morgen verbraucht Energie. Bei einer zu starken Absenkung oder einer zu kurzen Absenkphase (z. B. nur 2-3 Stunden) kann der Energieverbrauch für das Wiederaufheizen den Spareffekt übersteigen.
  • Schimmelgefahr: Eine zu starke oder lang anhaltende Nachtabsenkung der Heizung, insbesondere in Verbindung mit unzureichendem Lüften, kann die Gefahr von Feuchtigkeit und Schimmelbildung erhöhen. Kalte Oberflächen fördern die Kondensation von Luftfeuchtigkeit. Daher sollte die Temperatur auch nachts nicht unter 16-17 Grad Celsius fallen. regelmäßiges Stoßlüften ist unerlässlich.
  • Wohnkomfort: Wenn die Heizung zu spät hochfährt oder die Absenkung zu stark war, kann es morgens unangenehm kühl sein.

Fazit: Eine moderate Nachtabsenkung der Heizung (ca. 3-5 Grad unter der Tagestemperatur, nicht unter 17-18 Grad Celsius) und eine rechtzeitige Wiederaufnahme des Heizbetriebs (ca. 1-2 Stunden vor dem Aufstehen) ist in den meisten Fällen energieeffizient und trägt zur Kostensenkung bei. Bei sehr gut gedämmten Gebäuden kann der Spareffekt geringer ausfallen, da die Wärme weniger schnell entweicht.

Quellen und weiterführende Links

Über den Autor

Mathias Voigt (Rechtsanwalt)
Mathias Voigt

Mathias Voigt studierte Jura an der juristischen Fakultät in Rostock. Sein Referendariat absolvierte er in Nordrhein-Westfalen. Seit 2013 ist er als Rechtsanwalt zugelassen. Seine Interessensschwerpunkte liegen insbesondere in den Bereichen Verkehrs-, Straf- und Mietrecht.

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