Heizpflicht: Was Mieter und Vermieter hierzu wissen sollten

Von Mietrecht.com, letzte Aktualisierung am: 9. April 2021

Was regelt das Mietrecht in Bezug auf die Pflicht zu heizen?

Für wen besteht eine Heizpflicht in Mietsachen? Müssen Mieter auf die Temperaturen achten?
Für wen besteht eine Heizpflicht in Mietsachen? Müssen Mieter auf die Temperaturen achten?

Beim Thema Heizen scheiden sich oft die Geister. Einige mögen es mollig warm in ihren vier Wänden, andere möchten es lieber kühl haben. Und dann stellt sich oft auch die Frage, ob eine Heizpflicht des Mieters besteht oder ob nur der Vermieter dafür sorgen muss, dass die Heizung funktioniert. Doch ab wann muss eigentlich geheizt werden? Ab wann muss der Vermieter die Heizung anstellen?

Diese und weitere Fragen zur Heizpflicht in Deutschland betrachtet der nachfolgende Ratgeber näher. Er erläutert außerdem die gesetzlichen Voraussetzungen, welche eventuell eine Pflicht zum Heizen begründen könnten und welche Urteile es in Bezug auf den Zeitraum zum Heizen gibt.

Das Wichtigste zur Heizpflicht

Für wen besteht eine Heizpflicht in Deutschland?

Mieter sind nicht verpflichtet zu heizen, müssen jedoch dafür sorgen, dass es dadurch nicht zu Schäden an der Mietsache kommt. Vermieter sind allerdings verpflichtet, die Heizung in einem bestimmten Zeitraum funktionsfähig zu halten.

Ab wann muss der Vermieter heizen?

Die Rechtsprechung legt die Heizperiode regelmäßig in den Zeitraum zwischen dem 31.10 und dem 01.04. Anders lautende Regelungen können im Mietvertrag vereinbart werden.

Welche Temperaturen müssen Vermieter ermöglichen?

Um ihrer Heizpflicht nachzukommen, müssen Vermieter sicherstellen, dass die Heizungen tagsüber mindestens 20 Grad und nachts mindestens 18 Grad in den Räumen ermöglichen.

Heizpflicht für Vermieter und Mieter?

Eine Heizpflicht für Mieter besteht nicht. allerdings dürfen keine Schäden an der Mietsache entstehen.
Eine Heizpflicht für Mieter besteht nicht. allerdings dürfen keine Schäden an der Mietsache entstehen.

Müssen Mieter die Heizung einschalten, wenn es in der Wohnung zu kalt ist? Nein. Eine gesetzlich festgelegte Heizpflicht für Mieter gibt es in Deutschland nicht. Das heißt, wer es gerne kühl mag, der kann das auch so beibehalten. Wichtig ist allerdings, dass das Unterlassen des Heizens bzw. dass zu kühle Temperaturen nicht zu Schäden an der Mietsache führen dürfen. Sorgen zu niedrige Temperaturen für Feuchtigkeit in der Wohnung oder für Schimmelbildung, kann die Beseitigung auf Kosten des Mieters gehen, wenn das Heizverhalten Grund für diese Schäden sind.

Mieter sind zudem angehalten, darauf zu achten, dass die Leitungen nicht einfrieren. Heizen sie nicht oder stellen sie bei einer Abwesenheit die Heizung aus, sollten sie immer auf die Außentemperaturen achten. Bei einer längeren Abwesenheit sollte daher ein Verwandter oder Nachbar die Kontrolle übernehmen und gegebenenfalls die Heizung etwas aufdrehen.

Anders sieht das bei der Heizpflicht bei Vermietern aus. Sie müssen zwar nicht selbst dafür sorgen, dass Mieter heizen, sie sind jedoch verpflichtet, die Möglichkeit zum Heizen zu schaffen. Das heißt, sie sind für das Funktionieren und die Instandhaltung der Heizungsanlage verantwortlich. Eine gesetzliche Grundlage gibt es dafür allerdings nicht. Hier kommt die Rechtsprechung zum Tragen, welche unter in mehreren Urteilen den Zeitraum zum Heizen festgelegt hat (u. a. LG Berlin, 26.05.1998, Az.: 64 S 266/97).

Darüber hinaus orientieren sich die Urteile an der Norm DIN 4701, welche bestimmte Raumtemperaturen empfiehlt. So müssen Vermieter sicherstellen, dass die Heizungen folgende Temperaturen ermöglichen:

  • In Wohnräumen tagsüber mindestens 20° C
  • In Bädern und Toiletten tagsüber mindestens 21° C
  • Nachts in allen Räumen mindestens 18° C (von 23:00 bis 06:00 Uhr)

Ab wann muss die Heizung an sein?

Ab wann muss die Heizung angestellt bzw- eingeschaltet werden? Das kann regional verschieden sein.
Ab wann muss die Heizung angestellt bzw- eingeschaltet werden? Das kann regional verschieden sein.

Doch ab wann muss der Vermieter die Heizung anstellen bzw. einschalten? Die Heizpflicht des Vermieters besteht regelmäßig in den Zeitraum vom 31. Oktober bis 01. April. Regional können sich Beginn und Ende der sogenannten Heizperiode aufgrund von Klima und Wetterlagen unterscheiden. Darüber hinaus sind auch individuelle Regelungen im Mietvertrag möglich, sofern diese nicht zu einem Nachteil des Mieters führen. Auch Festlegungen in der Hausordnung oder in der Eigentümergemeinschaftsordnung sind zulässig.

So ist es möglich, dass sich die Heizpflicht des Vermieters bis in den Mai erstreckt und die Heizungen bis dahin die Mindesttemperaturen ermöglichen müssen. Kommen Vermieter ihrer Heizpflicht nicht nach, kann das einen Grund für eine Mietminderung darstellen. So kann bei maximalen Temperaturen von 15 bis 17 Grad eine Minderung von 25 Prozent möglich sein. Der Ausfall der gesamten Anlage während der Heizperiode kann sogar eine Minderung um 100 Prozent oder auch eine außerordentliche Kündigung begründen.

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2 thoughts on “Heizpflicht: Was Mieter und Vermieter hierzu wissen sollten

  1. Kahde

    Wir heizen mehrmals am Tag während der Heizperiode.
    Sind dazu “gezwungen ” da unsere Nachbarn unter uns nicht heizen.
    Meine Frage lautet wie folgt: Kann ich dies beim Vermieter melden oder kann der Vermieter in diesem Fall nichts ausrichten?
    Ich weiß, dass keine Heizpflicht seitens des Mieters gesetzlich verankert ist, möchte aber die Nachbarn nicht permanent mitbeheizen. Welche Optionen gibt es da noch?

    1. Marlies

      Die Mieterin unter mir heizt auch nicht und hat den ganzen Tag die Terrassen Tür offen. Ich habe trotz Heizung Teppich und Hausschuhen kalte Füße und bekomme die Wohnung nicht richtig warm.
      Aber es besteht keine Pflicht zu heizen.

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