Mietminderung bei Lärm: Das ist zu beachten

Mietminderung: Unzulässiger Lärm muss laut Mietrecht nicht hingenommen werden

Mieterrechte: Eine Mietminderung bei Lärm kann zulässig sein, wenn die Wohnqualität des Mieters erheblich eingeschränkt wird.

Mieterrechte: Eine Mietminderung bei Lärm kann zulässig sein, wenn die Wohnqualität des Mieters erheblich eingeschränkt wird.

Lachende Kinder, bellende Hunde, Klavierproben – gelegentlicher Lärm im Mietshaus oder in der Wohnung ist kaum zu vermeiden. Wird die Ruhe jedoch wiederholt und über einen längeren Zeitraum penetrant gestört, kann dies sehr an den Nerven der Bewohner zerren.

Eine andauernde Lärmbelästigung schränkt die Wohnqualität erheblich ein und gilt deshalb als Mietmangel. Dies kann Mieter zu einer Mietminderung wegen Lärm berechtigen.

In unserem Ratgeber erfahren Sie, wann Sie die Miete wegen Lärmbelästigung verringern können und wie Sie laut Mietrecht gegen Lärm durch den Nachbarn oder den Vermieter vorgehen können. Außerdem verraten wir Ihnen, welche Alternativen zur Mietminderung es bei Lärm in der Mietwohnung gibt.

Das Wichtigste zur Mietminderung bei Lärm

  • Ein Mieter kann gemäß Mietrecht bei einer Lärmbelästigung durch Nachbarn oder den Vermieter seine Miete verringern.
  • Um eine Mietminderung wegen Lärm vorzunehmen, muss der Mieter eine Mängelanzeige beim Vermieter stellen und ihm eine Frist einräumen, gegen die Ruhestörung vorzugehen.
  • Wenn ein Mieter permanent die Ruhe im Haus stört, muss er mit einer Abmahnung vom Vermieter wegen Lärm – oder sogar einer Kündigung – rechnen.

Wichtige Themen rund um die Mietminderung bei Lärm
Ruhestörung



Mietminderung bei Lärm: Wann ist sie angebracht?

Lärmbelästigung in der Mietwohnung: Wie viel müssen sich Mieter gefallen lassen?

Lärmbelästigung in der Mietwohnung: Wie viel müssen sich Mieter gefallen lassen?

Eine Mietminderung wegen Lärm ist nur dann zulässig, wenn die Wohnqualität in der Mietwohnung durch den Lärm erheblich beeinträchtigt wird. Dies ist z. B. der Fall, wenn die Nachtruhe regelmäßig gestört wird und der Mieter nicht mehr durchschlafen kann oder wenn die laute Musik des Nachbarn beim Arbeiten stört.

Daneben müssen weitere Dinge beachtet werden, wenn Sie eine Mietminderung wegen Lärm vornehmen möchten:

  • Die Lärmbelästigung darf nicht von Ihnen selbst verursacht sein.
  • Der Lärm darf nicht durch eine Situation verursacht werden, die zum allgemeinen Lebens- oder Mieterrisiko zählt. Wer sich z. B. durch singende Vögel am Morgen belästigt fühlt, hat hier mit einer Mietminderung wegen Lärm eher schlechte Erfolgsaussichten.
  • Der Lärm darf keine ortsübliche Gegebenheit sein. Wenn Sie z. B. in die Einflugschneise eines Flughafens ziehen, muss Ihnen klar sein, dass Sie in Ihrer Wohnung mit Flugzeuglärm zu rechnen haben. Auch in diesem Fall ist eine Mietminderung wegen Lärm nicht zulässig.
  • Lärm, der sozial üblich ist, muss vom Mieter akzeptiert werden. Darunter können z. B. spielende Kinder oder gelegentliches Hämmern vom Nachbarn zählen.

Besonders der letzte Punkt ist jedoch schwierig zu beurteilen, denn auch wenn bestimmte Geräusche sozial üblich sind, gilt gleichzeitig auch das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme unter Nachbarn. Im Klartext heißt das, dass die Nachbarskinder zwar in bestimmtem Ausmaß Lärm machen dürfen, aber spätestens, wenn Möbel herumgeworfen werden, müssen Sie dies nicht mehr stillschweigend hinnehmen.

Wann eine Mietminderung bei Lärm angebracht ist, ist in der Regel im Einzelfall zu entscheiden und richtet sich nach Dauer, Zeitpunkt und Art der Ruhestörung und wie stark die Rechte des Mieters dadurch eingeschränkt werden. Kommt es zum Streitfall, muss ein Gericht für Mietrecht entscheiden, ob die Mietminderung wegen Lärm zulässig ist oder nicht.

Mietminderung bei Lärm: So gehen Sie vor

Bevor Sie eine Mietminderung wegen Lärm vornehmen, sollten Sie mit dem Verursacher sprechen.

Bevor Sie eine Mietminderung wegen Lärm vornehmen, sollten Sie mit dem Verursacher sprechen.

Es ist rechtlich gesehen unerheblich, ob eine Lärmbelästigung durch den Vermieter, einen Nachbarn oder dessen Besucher verursacht wird. Sie als Mieter haben ein Recht auf Ruhe, das Sie geltend machen können.

Zunächst sollten Sie klären, wer für den Lärm verantwortlich ist und denjenigen freundlich, aber bestimmt darauf aufmerksam machen, dass Sie sich dadurch belästigt fühlen. Manchmal ist ein solch klärendes Gespräch bereits ausreichend, um die Ruhestörung in Zukunft zu unterbinden.

Hat der Verantwortliche jedoch kein Einsehen, sollten Sie einen Beschwerdebrief an Ihren Vermieter wegen Lärmbelästigung schreiben, eine sog. Mängelanzeige. Informieren Sie den Vermieter in diesem Schreiben ausführlich über die Ruhestörungen: Wie oft und zu welchen Zeiten treten sie auf, was verursacht den Lärm etc. Führen Sie am besten ein Lärmtagebuch über die Störungen und legen es dem Schreiben bei.

Fordern Sie den Vermieter dazu auf, dafür zu sorgen, dass die Lärmbelästigung eingestellt wird, da Sie sonst eine Mietminderung wegen Lärm vornehmen werden. Geben Sie ihm hierfür eine Frist, die ihm ausreichend Zeit lässt, gegen die Ruhestörung vorzugehen, und benennen Sie die Höhe der beabsichtigten Mietminderung.

Lässt der Vermieter die Frist verstreichen, ohne dass sich die Situation ändert, können Sie die Verringerung Ihrer Miete vornehmen. Über die Höhe der Mietminderung können Sie zwar selbst entscheiden, es empfiehlt sich jedoch, sich hier vom Mieterverein oder einem Anwalt beraten zu lassen. Sobald die Lärmbelästigung dauerhaft beseitigt wurde, müssen Sie wieder die volle Mietzahlung entrichten.

Die Ruhezeiten im Mietrecht: Wann liegt Ruhestörung vor?

Welche Ruhezeiten in einem Wohnhaus gelten, kann in der Regel der Hausordnung oder dem Mietvertrag entnommen werden. Darin ist festgelegt, zu welchen Zeiten eine Nacht-, Mittags-, Sonntags- und Feiertagsruhe einzuhalten ist.

Mietrecht: Nächtliche Ruhestörung belastet die Nerven und die Gesundheit.

Mietrecht: Nächtliche Ruhestörung belastet die Nerven und die Gesundheit.


Existiert eine solche Regelung für Ihr Mietverhältnis nicht, gelten in der Regel die Lärmschutzvorschriften des Landesimmissionsschutzgesetzes Ihres Bundeslandes oder die Städteverordnung.

In den meisten Bundesländern ist eine Nachtruhe von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens und eine ganztägige Sonntags- und Feiertagsruhe vorgeschrieben.

Eine gesetzliche Mittagsruhe existiert nicht, allerdings kann laut der Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung die Benutzung lauter Maschinen in Wohngebieten zwischen 13 und 15 Uhr untersagt werden.

Das Einhalten der Ruhezeiten bedeutet prinzipiell, alle Geräusche zu vermeiden, die Zimmerlautstärke überschreiten und so außerhalb der geschlossenen Wohnung wahrgenommen werden können. Wird dies von Ihren Nachbarn oder Ihrem Vermieter wiederholt und andauernd missachtet, kann dies eine Mietminderung wegen Lärm rechtfertigen.

Alternativen zur Mietminderung bei Lärm: Wie können Mieter noch gegen Lärmbelästigung vorgehen?

Eine Mietminderung ist bei Lärm nicht das einzige Mittel, mit dem Sie sich als Mieter zur Wehr setzen können:

  • Stellt die Ruhestörung eine Ordnungswidrigkeit nach § 117 OWiG (Ordnungswidrigkeitengesetz) dar, kann der Mieter den Verantwortlichen bei der zuständigen Verwaltungsbehörde anzeigen. Diese verhängt gegen den Verantwortlichen ein Bußgeld.
  • Verursacht der Vermieter selbst die Lärmbelästigung oder sorgt er nicht dafür, dass sie aufhört, obwohl ihm das möglich und zumutbar wäre, kann der Mieter laut § 536a BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) Schadensersatzanspruch geltend machen.
  • Eine ordentliche Kündigung wegen Lärmbelästigung ist laut Mietrecht immer möglich. Hierbei muss der Mieter allerdings die Kündigungsfrist einhalten. Er ist jedoch nicht verpflichtet, die Gründe für seine Kündigung anzugeben.
  • Auch eine außerordentliche fristlose Kündigung kann bei Lärmbelästigung durch Nachbarn oder den Vermieter unter Umständen möglich sein. Gemäß § 543 BGB ist dies zulässig, wenn dem Mieter durch den andauernden Lärm die Fortsetzung des Mietverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist nicht zugemutet werden kann. Hier kommt es sehr auf die Umstände des Einzelfalls an.

Was können Vermieter bei Lärmbelästigung durch Mieter unternehmen?

Wenn Mieter eine Mietminderung wegen Lärm ankündigen, sollte der Vermieter innerhalb der gesetzten Frist dafür sorgen, dass es zu keiner weiteren Lärmbelästigung kommt. Hier bietet es sich ebenfalls an, zunächst das Gespräch mit dem Verantwortlichen zu suchen.

Vermieter sollten ein Anschreiben an den störenden Mieter wegen Lärmbelästigung aufsetzen und ihm eine Abmahnung erteilen.

Vermieter sollten ein Anschreiben an den störenden Mieter wegen Lärmbelästigung aufsetzen und ihm eine Abmahnung erteilen.

Zeigt dies keinen Erfolg, kann der Vermieter wegen der Lärmbelästigung dem Verursachereine Abmahnung erteilen. Diese kann zwar mündlich erfolgen, es wird jedoch empfohlen, eine schriftliche Abmahnung zu erstellen, da der Vermieter diese so im Streitfall belegen kann.

Ändert der Ruhestörer auch nach der Abmahnung sein Verhalten nicht, kann der Vermieter eine Kündigung wegen Lärmbelästigung an den Mieter aussprechen. Wird auch diese ignoriert, bleibt als letztes Mittel die Räumungsklage.

Sobald der Vermieter sicher sein kann, dass die Lärmbelästigung unterbunden wurde, sollte er umgehend den Mieter, der die Mietminderung wegen Lärm vornehmen will (oder schon vorgenommen hat), darüber informieren. Damit ist dieser wieder zur Entrichtung der vollen Miete verpflichtet.
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