Keine Entschädigung bei Schreckhaftigkeit: Vermieter haftet nicht für Erschrecken der Mieterin

News veröffentlicht am 27. Juli 2018

Nürnberg-Fürth. Ein Vermieter muss keine Entschädigung wegen der Schreckhaftigkeit seiner Mieterin leisten, entschied das Landgericht Nürnberg-Fürth. Die Frau hatte sich durch ein herunterfallendes Rollo dermaßen erschrocken, dass sie sich verletzte.

Herabfallendes Rollo führt beinahe zum Treppensturz

Keine Entschädigung wegen Schreckhaftigkeit: Einer Mieterin steht kein Schmerzensgeld zu, wenn sie sich durch eigenes Erschrecken verletzt.

Keine Entschädigung wegen Schreckhaftigkeit: Einer Mieterin steht kein Schmerzensgeld zu, wenn sie sich durch eigenes Erschrecken verletzt.

Im August 2013 unterschrieb eine Frau einen Mietvertrag für eine Doppelhaushälfte mit Garten. Schon kurz nach ihrem Einzug stellte sie fest, dass das Wohnzimmerrollo sehr schwergängig wäre, und informierte den Vermieter über den Mangel.

Zwei Wochen später dann machte sich das beanstandete Rolle plötzlich selbstständig und krachte aus einer Höhe von 2,20 Meter herunter. Durch das laute Geräusch erschrak die Mieterin so sehr, dass sie auf der Treppe im Garten ins Straucheln kam. Den Sturz konnte sie nur vermeiden, indem sie sich an einer nahen Säule festhielt, wobei sie sich schwer am Handgelenk verletzte.

Von ihrem Vermieter forderte sie daraufhin ein Schmerzensgeld von 10.000 Euro sowie den Ersatz des Haushaltsführungsschadens. Letzteren bezifferte sie mit 52.000 Euro. Doch das Landgericht Nürnberg-Fürth wies die Klage ab und entschied, der Vermieter müsse keine Entschädigung für die Schreckhaftigkeit der Klägerin leisten.

Lärm gehört zum allgemeinen Lebensrisiko: keine Pflichtverletzung des Vermieters

Urteil: Laute Geräusche gehören zum Alltagsrisiko und rechtfertigen keine Entschädigung für die Schreckhaftigkeit der Mieterin.

Urteil: Laute Geräusche gehören zum Alltagsrisiko und rechtfertigen keine Entschädigung für die Schreckhaftigkeit der Mieterin.

Das Landgericht bestätigte damit das Urteil des Amtsgerichts Schwabach, das sich in erster Instanz mit dem Fall befasste. Nach Ansicht der Richter habe der Vermieter seine Verkehrssicherungspflicht nicht verletzt, weil er das Rollo nicht innerhalb von zwei Wochen nach der Mängelanzeige reparieren ließ, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Zudem sei die Verletzung der Mieterin nicht adäquat kausal auf das herabfallende Rollo zurückzuführen und rechtfertige damit keine Entschädigung. Die eigene Schreckhaftigkeit der Frau und ihre Reaktion auf das Geräusch des Aufpralls habe zu dem Unfall geführt. Laute Geräusche gehören jedoch zur Alltagswirklichkeit und können nicht dem Vermieter zugeschrieben werden.

Nach Ansicht der Richter hätte der Vermieter haftbar gemacht werden können, wenn das herabfallende Rollo den Sturz direkt verursacht hätte, indem es die Mieterin berührte. So jedoch stehe ihr keine Entschädigung wegen ihrer Schreckhaftigkeit zu.
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (34 Bewertungen, Durchschnitt: 4,00 von 5)
Keine Entschädigung bei Schreckhaftigkeit: Vermieter haftet nicht für Erschrecken der Mieterin
Loading...

Weitere Nachrichten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.